Therapeutischer Hintergrund

Da ich ursprünglich aus den Neurowissenschaften komme, war eine Affinität zur naturwissenschaftlich fundierten kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) eine logische Konsequenz. Zudem bin ich in meinem psychiatrisch / psychotherapeutischen Denken und Handeln maßgeblich durch die Human-Ethologie beeinflusst – insbesondere durch die Forschungen von Prof. Irenäus Eibl-Eibesfeldt und Wulf Schiefenhövel, und dem persönlichen Austausch mit letzterem.


Gerade in Krisensituationen reagiert der Mensch oft wenig rational überlegt, und so belasten die Folgen von Fight, Flight, Freeze und Dissoziation den Betroffenen gegebenenfalls ein Leben lang. Deshalb stehen sie im Fokus jeder traumaspezifischer Behandlung – sei diese Trauma-fokussiert oder nicht.


Und gleichzeitig wurde mir über die Jahre klar, dass ein rein kognitiv-behavioraler Therapieansatz zu kurz greift und zum einen – insbesondere was die Kognition angeht – der individualistischen Denkstruktur des Westens folgt und somit vielen Menschen aus anderen kulturellen Sozialisationswelten nicht oder nicht nachhaltig helfen kann. (So wird die Vorstellung, mehrere sich bekämpfenden Seelen in sich zu vereinen oder das Wissen darüber, verhext worden zu sein, durch die Versicherung eines westlichen Therapeuten, dass dies irrationale Ideen sind, nicht zum Verschwinden gebracht).

Neben körpertherapeutischen Verfahren halte ich Impulse der sogenannten Dritten Welle in der kognitiven Verhaltenstherapie (Interventionen, welche Achtsamkeit und (Selbst)-mitgefühl betonen; „time-framing“-Ansätze, Biographie-arbeit etc.,) für essenziell in der Behandlung von Menschen mit schwerwiegenden psychischen Problemen.

Schließlich wird mein Denken und meine therapeutische Arbeit neben der Wertschätzung psychodynamischer und bindungstheoretischer Ansätze durch Einflüsse dankbarkeits-assoziierter Aspekte der Interpretation von Ereignissen geprägt (u. a. Naikan (内観) und Jōdo Shinshū (浄土真宗),).

Meines Erachtens wird der subjektiven Krankheitstheorie des Betroffenen, dem Krankheitsverständnis des Einzelnen zu wenig Beachtung geschenkt, ein Umstand, welcher durch die Berücksichtigung humanistischer psycho-therapeutischer Ansätze vermieden werden kann (z.B. existenzanalytisch-logotherapeutisch). Denn genau davon hängt es entscheidend ab, ob eine psychotherapeutische Maßnahme erfolgreich ist. Und wie „erfolgreich“ zu definieren ist – das sollten wir in aller Bescheidenheit dem Patienten oder der Patientin überlassen.


Mein Therapieansatz ist somit eklektisch, aber nicht beliebig. Im Zentrum steht das Anliegen des Gegenübers mit seiner individuellen Geschichte. Diesem versuche ich auf der Basis westlicher Psychotherapien unter Einbezug nicht nur der kognitiv-emotionalen sondern auch der körperlichen und spirituellen / weltanschaulichen Dimension in der Behandlung zu begegnen.

Psycho- und Körpertherapeutische Ausbildungen und Expertisen:

  • 1994-2002: Ärztlicher Leiter staatlicher Ergo-und Physiotherapie-Schulen (unter anderem Verband Physikalische Therapie VPT, Fellbach; EURO-Schulen)
  • 2000-2005 Facharzt-Weiterbildung: Erst-Verfahren: Kognitive Verhaltenstherapie (Universität Tübingen, SZVT Stuttgart); Zweit-Verfahren: Tiefenpsychologische Psychotherapie  (Psychoanalytisches Institut Stuttgart); Drittes Verfahren: Hypnose (Universität Tübingen)
  • 2003-2005 Suchtklinik: Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie nach C. Rogers, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson
  • 2005-2007 Oberarzt Gerontopsychiatrie: Naturheilverfahren in der Psychiatrie; Weiterentwicklung Lebensplanungs-orientierter Therapieansatz.
  • 2010 Weiterbildungsermächtigung der Ärztekammer Baden-Württemberg
  • 2008-2014 als leitender Arzt, Chefarzt: Implementierung und Praxis sowie formale und informale Ausbildung in NET (Narrative Expositionstherapie), ACT (Acceptance commitment therapy) MBCT Mindfulness-based cognitive therapy), TRE (Trauma Releasing Exercises); Weiterentwicklung Spiritualitäts-orientierter Ansätze (Prof. HG Koenig, Duke Univ. USA; V. Frankl) in Richtung Kausalattributions-fokussierte Therapie.

Formale Ausbildung:

  • Mindfulness Based Cognitive Therapy (Akademie im Park, Wiesloch, 1 Jahr)
  • Acceptance Commitment Therapy – ACT (Entspannungsfokussierter Ansatz: 2010-2012)
  • Systemischer Sexualtherapeut (Zertifikat „Sexualtherapie“ der Internationalen Gesellschaft für systemische Therapie e.V. (IGST) (2 Jahre) (https://www.ifsex.de/therapeutenliste/name/peter-kaiser/
  • Klinischer Supervisor (DGPPN, 2017-2019)
  • EMDR 2019 Grundkurs incl. Praxis, Witten-Herdecke
  • 2020 Weiterbildung in Self-compassion and Mindfulness (in Therapy), Melbourne

In Flüchtlingssettings: (Thailand, Indien, Türkei, Irak, Mozambique, Ukraine): Mindfulness, Self-Compassion, Vipassana, TRE, sonstige körperzentrierte Therapien (Schwerpunkt: Achtsamkeits- und bewegungsorientiert)

Das Legen der Lifeline – der Lebenslinie – Blumen symbolisieren positive, Steine negative Lebensereignisse